Der Schwimmer


Kunst im geöffneten Raum auf dem Land, ein offenes Atelier für einen Monat


Dank einer Unterstützung der Kulturhilfe SH ist es nun möglich einige ungewöhnliche Momente zu erleben. Das Projekt kann realisiert werden durch eine Anschubfinanzierung des






Ab dem 1. September wird im „Künstlerdorf Barnitz“ in der Werkstatt des Bildhauers und Zeichners Thomas Helbing, Lokfeld 12, für 4 Wochen an einer neuen plastischen Figur gearbeitet. Jeweils von 11:00 - 18:00 Uhr, montags, dienstags, donnerstags und freitags, besteht die Möglichkeit der Teilhabe durch Anschauung.

Der derzeitigen Situation folgend, ist es vielleicht eine Sinn-stiftende Tugend der bildenden Kunst mit dem Existierenden kreativ umzugehen und neues im Umfeld oft nicht fassbarer Gegebenheiten zu entwickeln. Kaum wissen wir wie es weiter gehen wird, wo oben und unten ist oder vorn und hinten. Wir erleben eine Unsicherheit, die uns oft an den sogenannten Sprung ins kalte Wasser erinnert. Daher ist es an uns, das Umfeld zu sondieren und mit starkem Willen zu schwimmen, um weiterzukommen, auch wenn die scheinbare Schwerelosigkeit verunsichert. 

Es entsteht nun eine Figur, die das Schwimmen zum Inhalt hat. Ein Blick auf einen Körper, der sich in diesem Element bewegt und dessen Ansicht immer wieder durch die physikalischen Eigenschaften des Wassers gebrochen wird, aber dennoch eine in sich unveränderte Form hat.


Obernkirchner Sandstein — im Norden während der letzten Jahrhunderte gern als Baumaterial und für plastische Gestaltung beliebt — ist der Stoff, in dem diese neue Figur nun ihre Form finden soll.

Jeder Arbeitsschritt wird hier auf dieser Seite im Netz dokumentiert. Mithilfe dieses Mediums ist es dann auch jenen, die nicht persönlich vorbeischauen können möglich diese Aktion zu verfolgen und von Beginn an die Entwicklung und Ausarbeitung einer Skulptur aus Stein mitzuerleben.

1.9. 2020

Heute beginnt die Arbeit am Projekt und der erste Tag ist profan ausgedrückt der Tag an dem der Arbeitsplatz eingerichtet wird. Altlasten müssen umstrukturiert werden. Leider ändert sich das Ambiente dabei nicht immer zum Positiven. Tatsache ist aber, der Platz sollte überdacht sein, da wir nun im September gelegentlich auch mit Regen zu rechnen haben. Da auch dann die Arbeit an der Skulptur weitergehen soll, nun dieser Umbau.

Vorher

Zwischenstand

Zwischenstand

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3.9.2020

Tag Zwei der Arbeit.

Für heute ist das Ziel den Block, der mit 184 cm noch zu groß ist zu zerteilen.
120 cm ist das Maß, das ich brauche. Dann wird eine Zeichnungen in Originalgröße anzufertigen sein.  Dieselbe auf den Stein übertragen.
Eine solche Vorgehensweise ist eine seit der Zeit der Ägypter oder schon früher praktizierte Form der Umsetzung einer Idee in den Stein. Man beachte stets - abgetrennter Stein ist verloren - daher nicht reversibel. Planerisches Vorgehen daher zwingend und die Spontanität eher im Model und dann auch in der Variation, die das Material durch Bearbeitung und Oberflächenbehandlung zulässt.

Ich bin gespannt, ob ich heute alle Ziel erreiche Fotos  werden am Ende des Tages folgen.


Zeichnungen

Zeichnungen

Vor der Trennung

Zurichten und Schnitt

Keilen der beiden Teile

Das Ergebnis

Übertrag der Zeichnung

Übertrag der Zeichnung

Tatsächlich habe ich nun mein Tagwerk getan und alles erreicht, das ich geplant hatte. Die Zeichnungen auf Architektenpapier übertragen, sogenannte Brettungen aus Pappe hergestellt. Den Stein auf das richtige Maß zugerichteten die Zeichnungen auf das Material aufgebracht. Es gab auch Besucher, war also ein sehr erfolgreicher Tag.

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4.9.2020

Heute muss ich von hinten anfangen. Das bedeutet: daran denken wie die Figur nachher auf einem Sockel präsentiert werden soll. Zu diesem Zweck ist es unabdingbar das Gewicht zu berechnen und die notwendigen Eingriffe für  Befestigungen vorzunehmen. 

Dem Model entsprechend wird die Figur später auf zwei Rohren stehen um ein gewisses Maß an optischer Leichtigkeit zu gewährleisten. Das Ausgangsgewicht des Steins in seiner ursprünglichen Form betrug:  184 x 24 x 24 cm x 2,26 T = 240 Kg. Nun als getrennte Einheit: 120 x 24 x 24 cm x 2,26 T =  156 Kg. 

Ich werde also heute zuerst zwei Sechskant Gewindemuffen in den Stein einbauen mit einem M 20 Innengewinde. Diese in Verbindung mit einer sicheren Stahlkonstruktion müsste das spätere Gewicht, das geschätzt bei 100 bis 110 kg liegen wird gut tragen können.

Der  zweite Teil der Arbeit sollte natürlich ein erster Versuch sein sich in dem Material zurechtzufinden. Dieser Sandstein ist recht hart und vor allem, wenn er nicht Bruch-frisch ist, ein wenig zickig. Wir haben früher ein solches Verhalten etwas abmildern können, indem wir über mehrere Tage stark gewässerte Jutesäcke über das Material gelegt haben. Nun zeigt sich doch wieder, dass eine gute handwerkliche Ausbildung in der Bildhauerei nicht von Nachteil sein muss. Es sei denn man hat einen Stab von Fachleuten, die diese Arbeit übernehmen. 

Ansetzen der Positionen für die Bohrungen

Bohren mit 40 mm Durchmesser

Die Bohrung 90 mm tief

Einbau der Muffe

Winkelrechtes ausrichten der Muffen und einkleben

An-Beizen der Fotm in der Draufsicht

Was angedacht wurde ist erledigt. Die Abbildungen zeigen, dass Bohren und einfügen der Muffen. Eingebettet sind sie dann mit einem Spezialkleber und Winkelrecht ausgerichtet. Der Aufbau ist dadurch gesichert. Die letzten Bilder zeigen das Sogenannte Anbeizen der Aufriss-Zeichnung. Diese Vorbereitung verhindert später ein Abbrechen der Kanten. Die nächste Phase ist nun das Herausarbeiten der Grundform. So sind nun die Kanten geschützt. Montag, den 7.9. geht es weiter.

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7.9.2020

Der Stein ist in Position, die für die spätere Aufstellung notwendigen Applikationen eingebaut, die Umrisse aufgebracht und der erste Test war erfolgreich.

Das Material ist hervorragend und bisher scheint es zu gelingen. 

Ich hoffe nun - habe mir bis Mitte November Zeit für dieses Projekt eingeräumt - auch ein passables Ergebnis zustande zu bringen. 

Heute ist dann auch noch ein Artikel in den Lübecker Nachrichten erschienen.

Die nächsten Tage sind dazu bestimmt die Umriss-Form von Oben und Unten herauszuarbeiten und zu präzisieren. Werde dies wie gewohnt dokumentieren.

Die Werkzeuge, die ich nun dafür verwende, sind traditionell.
Ein Beizeisen um den Rand zu definieren und für die spätere Bearbeitung eine stabile Kante zu erzeugen. Dies verhindert im Allgemeinen ein ungewolltes Abspringen der Flächen im Winkel zur Arbeitsebene. Dann folgt das Herausarbeiten der Masse mithilfe eines Spitzeisens, gefolgt von einem Zahneisen zur Einebnung und Zusammenfassung der Form. Ein Flach oder Scharriereisen schafft es dann die Fläche gleichmäßig und Winkelrecht zur Seite auszubilden. Danach wird die entstandene Fläche geschliffen.



Ein Spaziergang klärt und schafft Raum für Neues

Ich zeige Ihm meine Werkzeuge 

Spitzen und Zahnen

Spitzen und Zahnen

langsame Annäherung an die Form

langsame Annäherung an die Form

Manchmal ist es mühselig, aber ich möchte trotzdem auch heute anzeigen, was erreicht wurde. Wie man sehen kann bin ich der Form schon ein wenig näher gekommen.

Morgen geht es weiter, in der Hoffnung diese Seite abzuschließen.

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8. 9. 2020

Heute wird fortgeführt, was gestern begonnen wurde. Vielleicht ist es möglich die erste Seite in der angedachten Form fertigzustellen und dann zu drehen, um die zweite dann am Donnerstag zu beginnen.

Auf gehts….

langsame Annäherung an die Form

langsame Annäherung an die Form 

Der letzte Abschnitt wird angegangen

Die erste Seite ist nahezu fertig

Die erste Seite ist nahezu fertig

Der Tag war gut. Auch heute hatte ich Besuch und durfte ein wenig erklären und zeigen.

Diese Seite ist nun fast fertig, sodass ich erst einmal drehen und an der anderen weiter arbeiten kann.

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10. 9. 2020

Heute wird der Stein wieder einmal gedreht und dann die zweite Seite in Angriff genommen. Freue mich auf einen sonnigen Tag an der frischen Luft. Wenn auch etwas müde….

Zuerst aber werden die Grundlinien nachgezogen, um die Brettung neu zu kalibrieren.

Natürlich ist auch der kleine Krahn regelmäßig im Einsatz

Der Bereich der Beine

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11. 9. 2020

Der elfte September, was für ein Datum. Viele werden sich an die Bedeutung erinnern.

Aber auch hier, bei der Arbeit ist eine gewisse Routine eingegangen,  so auch heute. 

Die Seite wird weiter in Form gebracht. Kritisch ist natürlich immer, dass man durch diese scheinbare Gleichförmigkeit die Konzentration verliert und die Aufgabe unterschätzt. Wesentliche Fehler, nicht reversible können entstehen, dies gilt es zu vermeiden.

Schleifen der ersten Seite

Schleifen der ersten Seite

Spitzen und Zahnen der zweiten Seite

Spitzen und Zahnen der zweiten Seite

Auch wenn es scheinbar nun langsamer vorangeht, ist die Arbeit heute gut von der Hand gegangen. Ich hatte auch heute wieder Besuche und durfte meine Arbeit erklären und den Fortgang schildern. Danke an alle, die sich für dies Projekt interessieren. Am Montag wird es weiter gehen und ich hoffe bis Dienstag auch diese Seite abschließen zu können. Dann beginnt  der Antrag der seitlichen Formen.

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14. 9. 2020

Die dritte Woche beginnt. Habe einiges vor und hoffe alles zu erreichen. 

Schleifen der ersten Seite

Spitzen und Zahnen der zweiten Seite

Spitzen und Zahnen der zweiten Seite

Spitzen und Zahnen der zweiten Seite

Stockhammer im Einsatz

Stockhammer im Einsatz

Viel erreicht heute? Ja. 

Außerdem wieder sehr interessierte Besucher gehabt. Es ist eine große Freude neben der eigentlichen Arbeit am Stein auch vermitteln zu dürfen wie diese Arbeit entsteht.

Ein neues, bisher nicht genutztes Werkzeug hat dann auch seinen Eingang in die Arbeit gefunden. Der Stockhammer: Ein schweres mit im Quadrat angeordneten Spitzen versehenes Arbeitsmittel, mit dem sich hervorragend Flächen bearbeiten lassen. Die beiden Videos sollen einen kleinen Eindruck vermitteln. Nachdem die Ebenen mithilfe des Spitzeisens einen großen Teil ihrer Masse verloren haben ist dieses Werkzeug der Ideale Partner in der Nivellierung der Oberfläche. Es folgt die abschließende Bearbeitung mit dem Scharriereisen.

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15. 9. 2020

Der Tag wird bestimmt sein durch die Verwendung des auch gestern schon kurz eingebetteten Werkzeugs. Wenn die Flächen ihr Niveau erreicht haben, werde ich sie mit dem Scharriereisen auf ihr abschließendes winkelrechtes Maß herunterbrechen. Danach schleifen.

Schleifen der ersten Seite

gestockte Oberfläche, Detailansicht

gestockte Oberfläche

kurz vor dem Abschluss

Möglicherweise ist es für den Zuseher interessant einmal die Spuren der Einwirkung des Stockhammers auf die Oberfläche des Obernkirchner Sandsteins zu sehen. Anhand der vorher gezeigten Videos, die hoffentlich für jeden sichtbar waren, kann man deutlich die Gewalt ermessen, mit der die Oberfläche zertrümmert wird. Auch eine starke körperliche Belastung, aber nichtsdestoweniger effektiv.
Die Arbeit an dieser Seite ist nahezu abgeschlossen und der letzte Schliff wir nun auch hier das erwünschte Ergebnis bringen.

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17. 9. 2020

Am heutigen Tag wird die Oberfläche nachgeschliffen, dann die quadratische Einteilung aufgebracht und mit der Ausarbeitung der seitlichen Ansicht begonnen. Siehe dazu die Zeichnung.

Schleifen der ersten Seite

Seitenansicht

winkelrechte Arbeit an der Figurenoberseite

Schleifen abgeschlossen. Quadrate aufgezeichnet und angerissen. Figur aus der Seitenansicht auf die Oberfläche projiziert und übertragen. Mit der Arbeit an der Oberkante des Schwimmers begonnen. 

So kurz könnte man den reichen Tag beschreiben. 

Eine weitere Erfahrung ist das vorsichtige und wohlüberlegte Übertragen der Zeichnungen. Was wäre, wenn ich die Zeichnung aus dieser Perspektive seitenverkehrt übertrage. Es hätte katastrophale Folgen. Die Figur wäre im Eimer und das Projekt gescheitert.

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18. 9. 2020

Der heutige Tag wird von der Weiterarbeit an der Figurenoberseite bestimmt sein.

Abtrag der Oberseite in der Seitenansicht
Abtrag der Oberseite in der Seitenansicht

Abtrag der Oberseite in der Seitenansicht

Abtrag der Oberseite in der Seitenansicht

Der Freitag ist nun der letzte Tag in der dritten Woche gewesen. Ich hatte wieder Besuch und freue mich über die Kontinuität in der Aufmerksamkeit für dieses Projekt.

Es ist mühsam, aber geht voran und ich freue mich jeden Tag darauf diese Arbeit voranzubringen. Heute kam im Laufe des Tages doch immer wieder die Frage auf, welcher Preis nach Abschluss der Ausführung eigentlich für diese Skulptur angemessen ist. Insgesamt werden wohl 10 Wochen ins Land gehen. Eine schöne Zeit, nur was mag dieselbe einer/einem Käufer/in Wert sein. Welche Zahlen kann und muss man für eine Preisfindung zugrunde legen. Einen Stundenlohn oder einen Monatssalär, Material und Werkzeug, Steuern und die Provision einer Galerie. Es bleibt eine spannende Frage.

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21. 9. 2020

Es kehrt ein wenig Routine ein. Das Wetter verspricht einen sonnigen Tag und es wird sich am Abend zeigen was heute alles passiert ist. 

Abtrag der Oberseite ist abgschlossen

Nun ist die Seite abgeschlossen und ich kann, nachdem der Feinschliff erfolgt morgen drehen, um die Unterseite zu beginnen.

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22. 9. 2020

Heute werde ich nach dem Feinschliff zuerst die Linien übertragen und dann erneut drehen, um die Unterseite zu bearbeiten.

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